Freitag Nachmittag:
Es schlagen in kurzer Reihenfolge drei Mails vom BUPD (Boston University Police Department, die Campuspolizei) ein. Offenbar sind zwei Studenten vor dem FitRec ihrer Mobiltelefone beraubt worden. Die Mail an sich ist ein echtes Highlight:
BU ALERT: There was an armed robbery at 915 Comm. Ave. Two victims were BU students and were robbed of their cell phones by two male suspects. No injuries and no weapon was shown. Suspects fled outbound on Comm. Ave. away from the area.
Ihr fragt euch jetzt berechtigt, wie denn ein bewaffneter Raubüberfall ohne Waffen aussehen mag. Darüber hinaus sollte ich erwähnen, dass diese Mail dreimal wortgleich an alle BU Studenten verschickt worden ist, was in Summe 105,000 Mails ergibt. Ruft da jemand "Spam"?
Freitag Abend:
Die "BU SENIOR TEQUILA 21+ PARTY" steht ins Haus. Gedacht zum Ausspannen für alle gestressten Studenten im letzten Bachelorjahr wurde in der Nähe des Baseballstadiums auf der Partymeile ein Club gekapert. Trotz tanzbarer Musik und massiv(!) vieler feierwütiger Leute wollte sich nicht so recht die Partystimmung einstellen. Entweder es lag an den massiven Wartezeiten beim Einlass, oder an den Preisen für die Getränke:
Tequila-Shots (2cl): US$ 7, Bud Lite (33cl): US$ 5.50.![]() |
| Drinnen: Tobende Massen |
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| Draussen die wartende Meute. Wir haben geschlagene 40 Minuten gewartet. |
Das hatte jedoch auch sein Gutes: Denn so war ich am nächsten Morgen fit für das Kulturprogramm.
Samstag:
Auf den Spuren des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges sind wir nach Lexington und Concorde aufgebrochen. Dort kam es zu den ersten Auseinandersetzungen der britischen Rotröcke und den amerikanischen Kolonisten. Beide Orte sind wirklich nett anzuschauen, reich an "authentischen" Gebäuden, Denkmälern und Info-Tafeln, die den geneigten Touristen auf die lokalen Besonderheiten aufmerksam machen.
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| Schon komisch: Meine erste echte Quiche Lloraine. Und das nichtmal in Frankreich. |
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| Stilvoll oder Geschmacklos? Ich konnte mich nicht entscheiden |
Natürlich kein Ausflug ohne Notfall: Auf dem Trail von Lexington nach Concorde haben wir uns aus unerfindlichen Gründen verlaufen. Der Wanderweg endete ganz plötzlich an einer stark befahrenen Straße und nach mehreren Stunden hatten wir auch nicht mehr so recht die Lust, umzukehren und im Wald umherzuirren. Also haben wir das einzige Gebäude vor Ort (schauriges Wohnhaus á la "Wrong Turn") näher inspiziert und sind dort nach mehrmaligem Klopfen von einem Ranger und dessen Frau in Empfang genommen worden. Nachdem wir unsere Situation kurz umrissen hatten, saßen wir auch schon im Geländewagen und wurden den Rest des Weges nach Concorde gefahren. Das allein hat uns schon überglücklich gemacht - noch besser wurde es aber, als Patricia ("Call me Pattie!") noch eine kleine Stadtrundfahrt mit uns gemacht hat.
Ich bezweifle, dass das in Deutschland so herzlich und zuvorkommend funktioniert hätte.
Samstag Abend
Der Fencing Club hat seine erste Houseparty veranstaltet. Das Motto hieß "Fencers gone wild" und nach anfänglicher allseitiger Zurückhaltung hat es sich auch bewahrheitet: der Alkohol floss in Strömen und ich war etwas besorgt, als mir kurze Zeit später jemand die Vorzüge seiner 2.9 inch langen japanischen Klinge anpries. Es war gar nicht so sehr das Messer selbst, sondern die Art der Argumentation: (frei übersetzt: "Du musst beim Kauf darauf achten, dass die Klinge länger als 2 Inch ist. Sonst erwischst du keine lebenswichtigen Organe. Die hier ist übrigens 2.9 Inch").
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| Was macht man, wenn kein Korkenzieher im Haus ist? Röschtöösch, Hals abschlagen! Da kann ich echt noch was dazu lernen ^^ |
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| Da sind sie wieder: Solo Cups (= die roten Plastebecher) |
Auf jeder Hausparty wird übrigens "Beer Pong" gespielt. Ich habe zwar die Regeln erklärt bekommen, aber so richtig kapiert habe ich es auch beim zweiten Anlauf nicht. Das sollte sich aber auch als nicht besonders tragisch herausstellen, da das Spielprinzip vergleichsweise seicht ist und die "Strafe" fürs Verlieren dieselbe ist wie der Preis fürs Gewinnen: Der Griff zum Glas, bzw. Becher.
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| Irgendwie geht es darum, mit einem Tischtennisball die Becher des anderen Teams zu treffen. |
Die Becher und Tischtennisbälle gibt es übrigens in JEDEM Laden am Campus, egal ob Supermarkt, Drogerie oder Boston University - Fanartikelgeschäft. Die wissen schon, warum ;o).
Mein Sonntag sah dann auch dementsprechend aus: Die Hälfte des Tages habe ich verschlafen, die andere mit Kopfschmerzen in der Bibliothek gesessen und mich verzweifelt bemüht, mit meinen Assignments Schritt zu halten.
Im nächsten Eintrag gibt es ein kleines Jubiläum und große Pläne!













































