Sonntag, 17. Oktober 2010

Amerikanische Kultur(3): Icehockey und Iceluge

Mal sehen, was war denn die letzten Tage so los... Vielleicht bekomme ich die Ereignisse ja rekonstruiert. ;-)

Freitag begann mit einer sehr unangenehmen Überraschung. Kurz nach Sieben ging mein Handy vollkommen steil, weil der BU Emergency Alert Service mir ganz dringend, mit mehreren Nachrichten und schlussendlich, Anrufen, mitteilen wollte dass die universitätsinterne Notfallnummer nicht funkioniert (- ich wusste bis dato nicht von deren Existenz...).

Den ganzen Tag über gab es dann regelmäßige Updates, dass sie immernoch nicht wissen woran es liegt (Mails #2 und #3). Am Nachmittag hatten sie das Problem gefunden (#4) und am frühen Abend ging dann auch die Notfallnummer wieder (#5). Ich frage mich, ob das wirklich von so elementarer Bedeutung ist um es der kompletten Studentenschaft live zu berichten - oder ob das nicht eher ein Ausdruck dafür ist, dass sie den ganzen Tag nichts (besseres) zu tun haben ;o).

Samstag stand das erste Hockeyspiel der Saison auf dem Plan. Der Fencing Club hatte Tickets organisiert und so hieß es am Abend: Die Boston Terriers haben die Massachusetts Minutemen (University of Massachusetts, kurz UMass) zu Gast und ich kam zu meiner ersten Begegnung mit Eishockey!
Die Nationalhymne: natürlich live und aus voller Brust
Die Gesänge und Tiraden der Fans lassen sich als durchaus konkurrenzfähig zu deutschem Drittligafußball beschreiben. Unbedingt hervorgehoben werden muss noch die traditionelle Feindschaft der Boston University zum Boston College. Die beiden Universitäten bieten sich in nahezu allen denkbaren Sportarten die Stirn und konkurrieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit um Studenten, Ruhm und Ehre. Auch wenn die gar nicht am Spiel beteiligt gewesen sind, wurde alle paar Minuten skandiert. Hier ein Eindruck: BC sux (klick)

Meine Vorstellungen von Eishockey verdanke ich übrigens der NHL-Serie. Dementsprechend dachte ich, dass es ständig Faustkämpfe auf dem Eis geben würde und der Sport insgesamt extrem körperbetont und brutal sei. Mit den Faustkämpfen hatte ich Unrecht - aber die Bodychecks sind nicht von schlechten Eltern. Man stelle sich einen 200 Pfund Hünen vor, der ständig beschleunigt, kurz vor seinem Opfer abspringt und selbiges hart in die Plexiglasbande schmettert. Klingt vielleicht barbarisch, ist aber regelkonform solange man nicht den Stock oder die Kufen voranstreckt.
Jaaa... Genau... ^^
Das Spiel selbst war spannend und hart umkämpft und endete schließlich mit einem 2-2 nach (oder: trotz) Overtime. Wieder einmal war es gut, mit langjährigen Fans unterwegs gewesen zu sein. Anders hätte ich die vielen Regeln und Action auf dem Eis kaum verstehen können.

Für den späteren Abend hatte ich mich mit AJ, Jared und Christian aus dem Bootcamp auf ein Bier verabredet. Aus einem wurden dann schließlich drei (wir haben eine Bar mit Nachos, Becks, Kölsch, Paulaner und dergleichen gefunden!) und wir sind vollends motiviert auf (irgend-)einer Hausparty eingeritten.
Das wäre jetzt nicht weiter relevant, wenn ich dort nicht die Bekanntschaft der "Iceluge" gemacht hätte. Gehört in die Kategorie Saufspiele und ist im Wesentlichen ein großer Eisblock mit kleinen abschüssigen Rinnen und Einkerbungen, durch die Hochprozentiges gekippt wird. Am unteren Ende hängen dann die Herausforderer, die eisgekühlten Fusel um die Wette trinken.
Die Solocups sind auch wieder mit von der Partie
Jared und Christian, der offenbar schon genug hat
So langsam rückt auch Halloween immer näher. Aus irgendeinem Grund wird mir ständig vorgeschlagen, mich als Wikinger zu verkleiden.. Als ob! Ich schätze, dass ist der unter Amerikanern verbreitete deutsche Stenotyp ;o).

Nächste Woche werde ich mich auf Kostümjagd begeben - habe da schon einige Ideen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Ein Anflug von Realismus: "MidTerms"!

Nach den letzten sehr reiseintensiven und im Großen und Ganzen sonnigen Wochen war der Umschwung irgendwann unausweichlich. Der "Indian Summer" macht so langsam die Biege und nur noch ab und an ist der Himmel blau und das Wetter angenehm. Ich bekomme langsam einen Eindruck davon, warum die Eingeborenen hier sagen, der Winter dauere 6 Monate und beginne spätestens Mitte Oktober. Brr! Langsam muss ich dann wohl doch wieder die Jacke aus dem Schrank hervorzerren ;o).
So wird es wohl nicht mehr lange bleiben.. :-/
Nicht ganz überraschend kam dann auch noch die Prüfungszeit heran. An der BU ist es üblich, mitten im Semester schon kleinere Prüfungen zu schreiben. Ich vermute mal, dass das die Lernmotivation in den ersten Wochen hochhalten soll und auch den Stress zum Ende des Semesters reduzieren wird. Im Gegensatz zum deutschen System, bei dem die Note fast ausschließlich von der Abschlussprüfung abhängt, gibt es hier eine Vielzahl von Faktoren die die Resultate beeinflussen. Neben (idealerweise aktiver) Mitarbeit, Take-Home-Examinations, Mid-Terms, Projektarbeit und diversen Assignments (i.S.v. Hausarbeiten) ist die Abschlussprüfung meist nur noch der letzte Nagel mit einem Gewicht von 10-15% der Gesamtnote. Zumindest in meinen Kursen an der School of Management.
Da ich für mein Studium in Dresden weder Punkte noch irgendwelche Noten benötige, wollte ich es von anfang an eher ruhig angehen lassen und meine Zeit hier (zulasten des Lernens) mit den angenehmen Dingen des Lebens vertun. Mittlerweile habe ich auch noch den Hinweis von der TUD erhalten, dass ich mir die Noten auch nicht wirklich als Ergänzungsleistung anerkennen lassen kann. Das drückt meine Leistungsbereitschaft natürlich noch weiter.

Dummerweise aber besteht ein Großteil der Prüfungsleistungen an der SMG aus Gruppenarbeit und ich tue mich schwer mit dem Gedanken, anderen Studenten ihre Noten mit meiner Mindermotivation zu versauen. Daher habe ich also für mich festgelegt, dass ich für diese Dinge etwas mehr Zeit investiere und dann die Vorbereitungen für die Individualprüfungen betont ruhig angehen lasse.

Apropos: Heute war meine erste Vorbereitung! Null Vorbereitung und nach einem Drittel der Zeit gegangen. Der Test war allerdings fast ausschließlich Multiple Choice, so dass ich gar nicht wüsste, wie man da länger sitzenbleiben kann. Entweder man weiß es oder spielt "Eins aus Fünf". Kurios war allerdings das Format des Tests.. Die Aufsichtsperson hat mich getadelt weil ich meine Kreuze mit einem Kugelschreiber gemacht habe (und nicht etwa wie offenbar üblich, mit einem Bleistift).. und ich dachte, Deutschland sei kleinkariert :-D.

Ansonsten bin ich in der letzten Zeit der Einladung des "BU Slow Food Clubs" gefolgt und habe mich in die Kunst der Zubereitung original spanischer Tortillas einweisen lassen. Der Slow Food Club ist so eine typische Form amerikanischer Studentenvereinigung. Mit ein wenig Organisationsaufwand greifen die massive Fördermittel ab und bezahlen damit lokale Chefköche, damit sie einer Gruppe aufgeschlossener Studenten (ich sollte sagen: Studentinnen plus Eins) etwas beibringen.


wie die Guppies..
aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen
Für nächste Woche kam eine Einladung zum "Sauerkraut selber machen - Event" .. Ich glaube, dass ich dem Club nicht lange treu bleiben werde.. Ihr fragt euch ernsthaft, warum? Schaut euch mal das Bild an: DA IST KEIN FLEISCH DRIN!

Achso, noch eine kleine Kuriosität: Letzte Woche war ich in einer Outlet Mall shoppen. In den Restrooms habe ich dann die folgenden Bilder geschossen. Stichwort "Convenience, the American Way"
"Apotheke? Ich kauf meine Pillen zwischen Calvin Klein und Abercrombie"

Freitag, 8. Oktober 2010

GROßE PLÄNE

Da ich mit einem lückenhaften Stundenplan gesegnet bin und daher meine Woche schon Donnerstags endet, drängen sich größere Touren und Erkundungen am Wochenende nahezu auf. Diesmal sollte es mit dem Bus vier Stunden nach Süden gehen, das Ziel hieß: New York

Freitag:

Ganz in deutscher Tradition also den ersten Bus geschnappt und noch bei Nacht und Nebel die Reise angetreten. Gegen 05.30AM waren Betta und ich mit dem "Fung-Wah-Bus" (aka Chinatown-Express) unterwegs.


 Bei der Ticketsuche bin ich auf etwa 60 Rezensionen über die Linie gestoßen, die allesamt grauenvoll waren und schon beim Lesen Schmerzen verursacht haben.. ("VIEREINHALB Stunden lang haben die Kinder geschrien", ".. und dann packte die chinesische Familie vor mir ihre gekochten Hühnerbeine aus und der ganze Bus stank", "die Bord-Toilette war kaputt und der Fahrer hat sich geweigert, für eine Pinkelpause anzuhalten"). Wie so oft stellte sich dann aber heraus, dass der ganze Trip angenehm problemlos war und der Bus sogar über kostenfreies Wi-Fi verfügte. Sauber!

Nur der Typ in der Reihe hinter uns, Marke 17 Jahre und Hobbygangster war etwas seltsam. Die ganze Fahrt über fing er willkürlich an zu lachen und sitzend zu tanzen. Sah und klang zwar drollig, aber wir wurden den Eindruck nicht los dass er sich im Zauberwald befindet...

Ankunft in Chinatown, NY gegen 11 Uhr bei strömendem Regen. Frühstück gab es stilecht im Nudelrestaurant (Jaja, die guten Lonely-Planet-Empfehlungen sollten uns das ganze Wochenende begleiten).




Dann erstmal in schneller Abfolge Broadway, Starbucks, Ground Zero, Wall Street, Starbucks, Lower Manhattan, St. Pauls und nochmal Starbucks.

Wall Street
Ground Zero
Financial District, Statue von George Washington
Was macht man eigentlich klassischerweise in New York? Richtig: Shows am Broadway angucken! Der Reiseführer hatte den heißen Tipp parat, es an einem Last-Minute-Ticketschalter zu versuchen. Also nichts wie hin und 50% reduzierte Tickets für "Chicago" abgegriffen. Achte Reihe, Parkett: Nais!


So als Vergleich: Es gingen auch Verkäufer für M&Ms, Coke und dergleichen durch die Reihen. Die wollten allerdings für zwei (Mini-) Pakete M&Ms und 1 Paket Erdnüsse 20$..

 Den Abend haben wir dann am Times Square ausklingen lassen.



In der Unterkunft (Harlem..) wurde es dann nochmal spannend. Die Schlüssel passten nicht und unsere Vermieter haben gut 30 Minuten gebraucht, um uns mit dem richtigen Bund auszustatten. Zu allem Überfluss kamen wir dann zwar ins Zimmer hinein, mussten aber feststellen dass wir das Zimmer von innen nicht abschließen konnten. Weder sanfte, noch rohe Gewalt am Schloß haben geholfen - mit offener Tür schlafen wollten wir aber auch eher nicht.


Long Story Short: Wir haben die Tür mit dem Taschenmesser "repariert" bekommen und mussten nur einige "Veränderungen" am Rahmen der Klinke vornehmen. Wäre das nicht auch schonmal an der Tür im PAUL-Büro passiert: ich hätte nicht weiter gewusst ^^.

Samstag:

Sonnenschein und ein strahlend blauer Himmel haben uns dazu bewogen, den Tag in der Innenstadt und mit Wahrzeichen von NY zu verbringen: Skyline und Statue of Liberty!
Es verkehren verschiedene Fähren zwischen Manhattan und der Freiheitsstatue. Während die Fähre zur Freiheitsstatue gute 10$ pro Person kostet, ist die Staten Island Ferry kostenfrei und passiert die Statue in Steinwurfentfernung. Also haben wir uns der kostenbewussten Touristen-Meute angeschlossen und sind mit der Pendlerfähre nach Staten Island gefahren. Leider hat sich herausgestellt, dass die Freiheitsstatue sehr(!) viel kleiner ist als man sich das nach diversen Hollywoodproduktionen vorstellt. Auch die Skyline von Manhatten war nicht besonders beeindruckend und wir waren uns einig, dass das Nachts deutlich schöner sein muss.
Southern Tip of Manhattan
Mayors Hall

Also haben wir Abends die gleiche Tour noch einmal gemacht! Wir wurden nicht enttäuscht: Die Skyline IST atemberaubend (auch wenn die Freiheitsstatue noch genau so mickrig war).


Im Anschluss hatte ich eine kleine Überraschung für Betta vorbereitet: Wir hatten eine Reservierung im "Dangerfields", einem angesagten Night-Comedyclub, der u.a. Jerry Seinfeld, Jay Leno, Chris Rock, Jim Carrey und viele andere Größen im Programm hatte, bevor sie berühmt geworden sind. The "next big thing" also!


Die Show ging gut zwei Stunden und wir sind mit Tränen in den Augen und schmerzenden Bauchmuskeln herausgekommen. Auch wenn wir sprachbedingt einen guten Teil des Sprachwitzes verpasst haben, kann man den Club ohne Bedenken weiterempfehlen! Kurzweilig, Originell und Urkomisch.

Sonntag:

Blauer Himmel und Sonnenschein. Schon wieder. Unseren Trip wollten wir im Central Park ausklingen lassen, also haben wir uns mit ein paar Sandwiches bewaffnet und sind eine ganze Weile auf Entdeckungstour gegangen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie groß und abwechslungsreich der Park ist. Da treffen sich Großfamilien zum Picknick, Hobbymannschaften zum Wochenend-Kick und abertausende Läufer und Radfahrer zum Workout. Auch klassische Pferdekutschen und Imbißstände sind allgegenwärtig.

steter Betrieb am "Chess Pavillon"





Von dem Wochenende ziemlich kaputt haben wir einfach nur in der Sonne gelegen, den Tag genossen und uns seelisch und mental auf die Rückfahrt nach Boston eingestellt. Fast hätten wir noch die Metro verpasst: Als Verkehrswirt und Dresdner bilde ich mir ein, einigermaßen gut mit Linienplänen und Routenplanung klarzukommen. Was allerdings in NY abgeht ist sagenhaft. Die Metro fährt zwar recht häufig, aber es gibt eine Vielzahl von Linien, die sich jeweils noch in LCL (Local) und XPR (Express) unterscheiden. Beide halten jeweils nur an spezifischen Stationen und am Wochenende (bzw. bei Bauarbeiten) ist eh alles nochmal anders. Allerdings gibt es darüber keine schriftliche Auskunft, sondern nur qualitativ noch hinter der Deutschen Bahn einzuordnende genuschelte Durchsagen zwischen den Stationen. Da der Bus aber auch Verspätung hatte, ging alles gut ;o).

Vom Wochenende bleibt der Eindruck, das NY wirklich eine herausragende und riesige (9 Mio Ew) Metropole ist, die man definitiv noch öfter besuchen sollte.

Weihnachtseinkäufe am Times Square - Warum eigentlich nicht?

Montag, 4. Oktober 2010

kleines Jubilaeum

Es ist kaum zu fassen: Der erste Monat in Boston ist schon wieder vorueber. Durch die ganze Eingewoehnung, den beginnenden Lehrbetrieb und nicht zuletzt die vielen neu entstandenen, globalen Freundschaften verging die Zeit wie im Flug.

Ich merke allerdings sehr deutlich, dass Sprach- und Kulturhuerden zunehmend schwinden. Sei es der allmorgendliche Plausch mit dem Concierge im Wohnheim, das allmorgentliche Kaffee-Bestell-Ritual oder zufaellige Begegnungen auf dem Campus: man gewoehnt sich sehr schnell an Gepflogenheiten und ich erwische mich sogar schon gelegentlich dabei, wie der fuer Boston ("Bah-ston") typischen Akzent Einzug in meine Ausdrucksweise haelt.

Mittlerweile ist alles schon etwas weniger aufregend als in den ersten "wilden" Tagen: Kaffee von Starbucks ist auf Dauer auch keine Art der Ernaehrung, Dining Halls sind in ihrer Auswahl gewissermassen unfrei und die unvoreingenommene, neugierige und aufgeschlossene Art der Amerikaner haelt auch nicht immer bis zur dritten Runde Drinks.

Nichtsdestotrotz bin ich ueberzeugt, dass es noch jede Menge zu entdecken und zu erleben gibt!

Wir Austauschstudenten haben den ersten Monat im "Fire and Ice Dinner" bei live zubereiteter Grillware ausklingen lassen. Vom Konzept her laesst es sich sehr gut mit der Mongbar vergleichen, nur dass der Grill rund ist und der Unterhaltungswert dadurch hoeher ;-). Eben die amerikanische Version!

Hier noch ein paar Bilder von der Truppe, dem Grill und dem Abend: