Da ich mit einem lückenhaften Stundenplan gesegnet bin und daher meine Woche schon Donnerstags endet, drängen sich größere Touren und Erkundungen am Wochenende nahezu auf. Diesmal sollte es mit dem Bus vier Stunden nach Süden gehen, das Ziel hieß:
New York
Freitag:
Ganz in deutscher Tradition also den ersten Bus geschnappt und noch bei Nacht und Nebel die Reise angetreten. Gegen 05.30AM waren Betta und ich mit dem "Fung-Wah-Bus" (aka Chinatown-Express) unterwegs.
Bei der Ticketsuche bin ich auf etwa 60 Rezensionen über die Linie gestoßen, die allesamt grauenvoll waren und schon beim Lesen Schmerzen verursacht haben.. ("VIEREINHALB Stunden lang haben die Kinder geschrien", ".. und dann packte die chinesische Familie vor mir ihre gekochten Hühnerbeine aus und der ganze Bus stank", "die Bord-Toilette war kaputt und der Fahrer hat sich geweigert, für eine Pinkelpause anzuhalten"). Wie so oft stellte sich dann aber heraus, dass der ganze Trip angenehm problemlos war und der Bus sogar über kostenfreies Wi-Fi verfügte. Sauber!
Nur der Typ in der Reihe hinter uns, Marke 17 Jahre und Hobbygangster war etwas seltsam. Die ganze Fahrt über fing er willkürlich an zu lachen und sitzend zu tanzen. Sah und klang zwar drollig, aber wir wurden den Eindruck nicht los dass er sich im Zauberwald befindet...
Ankunft in Chinatown, NY gegen 11 Uhr bei strömendem Regen. Frühstück gab es stilecht im Nudelrestaurant (Jaja, die guten Lonely-Planet-Empfehlungen sollten uns das ganze Wochenende begleiten).

Dann erstmal in schneller Abfolge Broadway, Starbucks, Ground Zero, Wall Street, Starbucks, Lower Manhattan, St. Pauls und nochmal Starbucks.
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| Wall Street |
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| Ground Zero |
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| Financial District, Statue von George Washington |
Was macht man eigentlich klassischerweise in New York? Richtig: Shows am Broadway angucken! Der Reiseführer hatte den heißen Tipp parat, es an einem Last-Minute-Ticketschalter zu versuchen. Also nichts wie hin und 50% reduzierte Tickets für "Chicago" abgegriffen. Achte Reihe, Parkett: Nais!
So als Vergleich: Es gingen auch Verkäufer für M&Ms, Coke und dergleichen durch die Reihen. Die wollten allerdings für zwei (Mini-) Pakete M&Ms und 1 Paket Erdnüsse 20$..
Den Abend haben wir dann am Times Square ausklingen lassen.


In der Unterkunft (Harlem..) wurde es dann nochmal spannend. Die Schlüssel passten nicht und unsere Vermieter haben gut 30 Minuten gebraucht, um uns mit dem richtigen Bund auszustatten. Zu allem Überfluss kamen wir dann zwar ins Zimmer hinein, mussten aber feststellen dass wir das Zimmer von innen nicht abschließen konnten. Weder sanfte, noch rohe Gewalt am Schloß haben geholfen - mit offener Tür schlafen wollten wir aber auch eher nicht.
Long Story Short: Wir haben die Tür mit dem Taschenmesser "repariert" bekommen und mussten nur einige "Veränderungen" am Rahmen der Klinke vornehmen. Wäre das nicht auch schonmal an der Tür im PAUL-Büro passiert: ich hätte nicht weiter gewusst ^^.
Samstag:
Sonnenschein und ein strahlend blauer Himmel haben uns dazu bewogen, den Tag in der Innenstadt und mit Wahrzeichen von NY zu verbringen: Skyline und Statue of Liberty!
Es verkehren verschiedene Fähren zwischen Manhattan und der Freiheitsstatue. Während die Fähre zur Freiheitsstatue gute 10$ pro Person kostet, ist die Staten Island Ferry kostenfrei und passiert die Statue in Steinwurfentfernung. Also haben wir uns der kostenbewussten Touristen-Meute angeschlossen und sind mit der Pendlerfähre nach Staten Island gefahren. Leider hat sich herausgestellt, dass die Freiheitsstatue sehr(!) viel kleiner ist als man sich das nach diversen Hollywoodproduktionen vorstellt. Auch die Skyline von Manhatten war nicht besonders beeindruckend und wir waren uns einig, dass das Nachts deutlich schöner sein muss.
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| Southern Tip of Manhattan |
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| Mayors Hall |
Also haben wir Abends die gleiche Tour noch einmal gemacht! Wir wurden nicht enttäuscht: Die Skyline IST atemberaubend (auch wenn die Freiheitsstatue noch genau so mickrig war).
Im Anschluss hatte ich eine kleine Überraschung für Betta vorbereitet: Wir hatten eine Reservierung im "Dangerfields", einem angesagten Night-Comedyclub, der u.a. Jerry Seinfeld, Jay Leno, Chris Rock, Jim Carrey und viele andere Größen im Programm hatte, bevor sie berühmt geworden sind. The "next big thing" also!
Die Show ging gut zwei Stunden und wir sind mit Tränen in den Augen und schmerzenden Bauchmuskeln herausgekommen. Auch wenn wir sprachbedingt einen guten Teil des Sprachwitzes verpasst haben, kann man den Club ohne Bedenken weiterempfehlen! Kurzweilig, Originell und Urkomisch.
Sonntag:
Blauer Himmel und Sonnenschein. Schon wieder. Unseren Trip wollten wir im Central Park ausklingen lassen, also haben wir uns mit ein paar Sandwiches bewaffnet und sind eine ganze Weile auf Entdeckungstour gegangen. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie groß und abwechslungsreich der Park ist. Da treffen sich Großfamilien zum Picknick, Hobbymannschaften zum Wochenend-Kick und abertausende Läufer und Radfahrer zum Workout. Auch klassische Pferdekutschen und Imbißstände sind allgegenwärtig.
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| steter Betrieb am "Chess Pavillon" |
Von dem Wochenende ziemlich kaputt haben wir einfach nur in der Sonne gelegen, den Tag genossen und uns seelisch und mental auf die Rückfahrt nach Boston eingestellt. Fast hätten wir noch die Metro verpasst: Als Verkehrswirt und Dresdner bilde ich mir ein, einigermaßen gut mit Linienplänen und Routenplanung klarzukommen. Was allerdings in NY abgeht ist sagenhaft. Die Metro fährt zwar recht häufig, aber es gibt eine Vielzahl von Linien, die sich jeweils noch in LCL (Local) und XPR (Express) unterscheiden. Beide halten jeweils nur an spezifischen Stationen und am Wochenende (bzw. bei Bauarbeiten) ist eh alles nochmal anders. Allerdings gibt es darüber keine schriftliche Auskunft, sondern nur qualitativ noch hinter der Deutschen Bahn einzuordnende genuschelte Durchsagen zwischen den Stationen. Da der Bus aber auch Verspätung hatte, ging alles gut ;o).
Vom Wochenende bleibt der Eindruck, das NY wirklich eine herausragende und riesige (9 Mio Ew) Metropole ist, die man definitiv noch öfter besuchen sollte.
Weihnachtseinkäufe am Times Square - Warum eigentlich nicht?