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| zufällige Momentaufnahme |
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| da friert sogar der Charles River zu :o) |
Mit einigem Wehmut begehen wir daher am nächsten Wochenende unser Farewell-Dinner und spielen „Secret Santa“. Wenn man schon Weihnachten in der Ferne feiert, kann man sich doch wenigstens an heimischen Sitten orientieren und ein bisschen Weihnachtsfreude verschenken. Auch wenn ich nicht all zu sehr ins Detail gehen will so sei doch gesagt, dass es abartig schwer ist eine passende Aufmerksamkeit für jemanden von einem anderen Kontinent und völlig fremden Kulturkreis zu besorgen, die auch gefällt.
Folglich zermartere ich mir darüber momentan viel mehr den Kopf als über die anstehenden Abschlussprüfungen. Nicht nur, dass ich die Noten aller Wahrscheinlichkeit nach eh nicht nach Dresden übertragen kann, nein – meine zwei verbleibenden Abschlussprüfungen machen jeweils nur etwa 10% der Note aus. Ich werde mir die Zeit also mit wesentlich angenehmeren Dingen vertreiben als mit Lernerei. Da wären:
1. Celtics vs. Nuggets
Nachdem ich ja schon das Vergnügen hatte, einem großartigen und spannenden Spiel beizuwohnen, ging es vergangene Woche abermals in den TD Garden, diesmal waren die Denver Nuggets zu Gast. Nach etwa 6 Minuten führte Boston mit 38-6 und blieb auch bis zum Ende des Spiels in Führung. Nett anzusehen war es aber dennoch, da diesmal auch Shaquille O’Neal auf dem Feld stand und seine herausragende Technik, extreme Grazie und nicht zuletzt auch 150 Kilogramm Lebendmasse verteilt auf 2.16 Meter ins Spielgeschehen einbrachte. Eine wahre Augenweide. ;-)
Das Stadion war selbstverständlich ausverkauft und die Stimmung gewohnt gut. Insbesondere bei uns, da wir für nur 15$ an ein paar super Tickets herangekommen sind. Im Vergleich mit den üblichen Preisen ist das nahezu geschenkt.
Kleiner Wermutstropfen: ein paar betrunkene Celticsfans fingen im Block an, die mitgereisten Anhänger der Denver Nuggets aufs übelste (unter Berücksichtigung etwaiger Familienverhältnisse mütterlicherseits) zu beschimpfen und zu verspotten.
Jedoch brandete spontaner Applaus auf, als die Stadionpolizei die Bande abgeführt hat.
2. Köche aus aller Herren Länder
Auch wenn das Thema Kochen mit Studenten aus anderen Ländern für mich anfangs ein delikates Reizthema darstellte, haben sich die Wogen mittlerweile stark geglättet. Einen wesentlichen Beitrag haben daran PROMOS, sowie arabische, italienische oder auch deutsche Dinner. Letzteres erwähne ich hier in diesem Kreise nur, weil es Serviettenknödel (kannte ich bisher nicht) und brasilianisches Dessert (Brigadero – so eine Art selbstgemachtes Nutella) gab.
Aber auch Betta hat ihre Kochkünste eindrucksvoll unter Beweis gestellt:
Gute Partie! *Schulterklopf*
Na gut – die Bilder sind „nicht unbedingt“ von diesem Abend. Leider waren wir zu sehr mit Essen beschäftigt als dass wir an die Fotos gedacht hätten. Jedoch war Google.it bei der Suche äußerst zuvorkommend. ;)
3. New York reloaded
Zunächst einmal geht es noch einmal nach New York. Ich habe noch nicht alle Weihnachtsgeschenke beisammen und gerüchtehalber ist der Times Square (und Macey’s!!, und der Central Park!!, und und und..) zur Weihnachtszeit noch viel schöner. Ob das auch wirklich stimmt werde ich euch natürlich auch noch – bildmaterialgestützt - berichten.
Die kleinen Unterschiede..
Für den Moment möchte ich aber schon mal einen Teil meines Rückblicks auf die vergangenen Monate und das Leben als Austauschstudent richten. Es mag vielleicht etwas abgedroschen klingen, aber wer auch immer gesagt hat, dass eine Auslandserfahrung eine Bereicherung sei, der war ein kluger Mann. Es sind so unglaublich viele kleine und große Dinge über die ich vor meinem Kontakt mit anderen Nationalitäten nie nachgedacht habe:
- Essen nachwürzen. Ich hätte nie gedacht, dass der Koch / die Köchin es als persönlichen Affront sehen könnte, wenn man dem Essen mit Pfeffer oder Chilipulver zu etwas (mehr) Geschmack verhilft.
- Allgemeinwissen / Zuverlässigkeit. Als durchschnittlich gebildeter Europäer kann ich euch versichern, dass insbesondere das deutsche Bildungssystem (Erziehung in Schule und Universität) absolut herausragt. Insbesondere in Sachen Naivität und Dinge des täglichen Lebens passieren hier täglich Zoten B).
- Umweltbewusstsein. Wird ja oft belächelt und als „nerviges Thema für eine uncoole Generation“ empfunden. Mittlerweile denke ich jedoch, dass der Durchschnittsdeutsche ganz weit vorn mit dabei ist. Wer Energiesparlampen besitzt, nicht unnötig Wasser (Rasieren unter laufendem Hahn?) verschwendet oder weiß, dass eine Heizung auf maximaler Stufe in Kombination mit geöffnetem Fenster nicht unbedingt Sinn ergibt – der ist schon besser dran als die meisten Leute um mich herum. Im Ernst: Ich hätte nie gedacht dass ich mal an einen Ort komme, an dem ich die beste „Klimabilanz“ habe ^^.
- Fremdsprache: Wer zumindest ein paar Brocken in einer fremden Sprache beherrscht, kommt sehr weit. Anfangs war ich etwas besorgt dass mir die Unterhaltung mit „Eingeborenen“ schwerfallen würde. Kannste verjessen – det sinn piekfeine Leute. Ohne mit der Wimper zu zucken wird die Hälfte der Konversation halt nochmal zusammengefasst oder wiederholt – ein Jeder hat Verständnis!
- Auch in Sachen gesunder Ernährung ist man dank (deutscher?) Erziehung vergleichsweise gut aufgestellt. Ich werde nie meine „Healthy Nutrition“ Class vergessen: Ein Gör von 18 Jahren fragt ernsthaft ob es unbedenklich ist, einen kompletten Becher Ben&Jerry Eiskrem vor dem zu-Bett-gehen zu essen. Klar. Man wird zumindest nicht blind.
- Von den unterschiedlichen Gewichtungen von Konzepten wie „Ordnung“, „Sauberkeit“, „Umwelt“, „Zeit“ und „Effizienz“ will ich gar nicht erst anfangen.
Und doch!
Aber dennoch: Ich empfinde das Miteinander und das Leben hier in Boston als sehr angenehm. Im Gegensatz zum Großteil Deutschlands herrscht hier eine von Grund auf positive Stimmung / Empathie für den Nächsten. Allgemeines Gejammer und Tiefstaplerei sind mir noch nicht untergekommen.
Auch das Leben an sich ist dank extremer Dienstleistungsgesellschaft angenehmer; Wer sich schon einmal den Wagen voller Einkäufe in Tüten hat einpacken lassen, weiß was ich meine. Oder auch Wasser: In den USA würde niemand auf die Idee kommen, im Restaurant oder im Club Geld für ein Glas kalten Wassers mit Eis zu verlangen. „Servicewüste Deutschland“? ^^
Aber gut – das sind schon weitaus mehr Gedanken als ich mir hier normalerweise machen muss. Bevor ich also noch Kopfschmerzen erleide oder die Kurve nicht mehr bekomme, vertröste ich euch auf das nächste Posting: das kommt definitiv noch vor meiner Abreise (20. Dezember) und beinhaltet sowohl das Bildmaterial vom weihnachtlichen New York, als auch den zweiten Teil des Rückblicks, dann zum Thema „Stigma Austauschstudent“.








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