Mittwoch, 1. Dezember 2010

Thanksgiving Pt. 2: roadtrippin'

Neben Truthahn und Fresserei boten die Feiertage auch die passende Gelegenheit, wieder einmal aus Boston heraus zu kommen und ein Stück mehr USA zu entdecken. Nach der Nacht am Flughafen Boston-Logan habe ich meinen Flug nach Raleigh angetreten. Bemerkenswert ist hier allenfalls, dass gerade einmal 12 Menschlein in der Maschine saßen und ich der einzige Reisende im hinteren Teil des Flugzeugs war. Es hat schon was für sich, eine eigene Stewardess für die Sicherheitsbelehrungen zu haben ;o). Die zwei Stunden in der Luft gingen dank Schlafdefizit und sanftem Gerüttel dann auch schnell vorüber.

In North Carolina gabs den ersten Schock direkt am Flughafengelände, denn von 20°C hatte ich nicht zu träumen gewagt. Nachdem Paul (Klick) mich am Flughafen aufgelesen hat, gings erstmal nach Raleigh Downtown.


Den Nachmittag haben wir in den Malls verbracht - schließlich war "Black Friday". Das ist traditionell der Tag in der Thanksgiving-Woche, an dem alle Konsumenten durchdrehen: Die großen Ketten überbieten sich gegenseitig mit massiven Rabatten um die Massen schon früh am Morgen (einige Leute campieren und übernachten vor den Läden um ein Schnäppchen zu machen) in die Malls zu locken. Sogar Apple hatte sich dazu herabgelassen, das iPad für einen Tag von $499 auf $449 zu reduzieren.

Die Mall am "Black Friday". Leider waren wir zu spät für echte Schnäppchen.
Reichlich erschöpft und auch einigermaßen müde haben wir beschlossen, den Abend in netter Gesellschaft bei Hooters zu verbringen.Wer's nicht kennt: Hooters ist i.A. bekannt dafür, junge gut gebaute und halbwegs anschauliche Bedienungen zu beschäftigen, die sich mit zu den Gästen an den Tisch setzen und Konversation betreiben. Soweit ich weiß, zielte das ursprüngliche Konzept auf Trucker ab um diesen auf den langen Touren durch das Land einen Hafen und etwas Gesellschaft zu bieten. Bevor ihr jetzt grinst: Nein, nicht DIESE Art von Gesellschaft. Von Truckern haben wir jedenfalls nicht viel gesehen - die Gäste verteilten sich etwa hälftig auf "älteres Ehepaar" und "kleine Gruppen von Männlein in den Zwanzigern".

Ich und .. mhh .. Mist - glatt vergessen, aufs Namenschild zu gucken.
Na, wenn das mal keine Weihnachtsstimmung verbreitet :)
Auf dem Rückweg durch die Innenstadt haben wir noch eine echte Entdeckung gemacht: Einen Aldi hätte ich in den USA zuletzt erwartet.
Leider konnten wir keinen Blick hineinwerfen..
Übrigens: Innenstadt ist in diesem Fall anders zu verstehen als Boston, Dresden oder Berlin. Raleigh erstreckt sich über eine sehr weite Fläche und die Distanzen zwischen den einzelnen Häusern, Kreuzungen oder Geschäften sind vergleichsweise weit. Das ist keinesfalls mit Deutschland zu vergleichen! Auch wenn es mir schwerfällt, das zuzugeben: Es stimmt schon irgendwie - ohne Auto kommt man hier nicht oder nur extrem langsam voran.

Am nächsten Morgen sind wir dann beizeiten mit dem Auto in Richtung Washington D.C. gestartet. Die ungewohnte Unterhaltung in deutscher Sprache hatte scheinbar auch die Erinnerung an deutsche Autobahnen und ihre generösen Tempolimits wachgerufen :o). Es dauerte also gar nicht lange bis wir von einem blau flackerndem Signal verfolgt und zum Anhalten gebeten worden sind .. Stopped for Speeding!

Glücklicherweise konnte Paul hier die "ikskhuusee meeh mista, ei'em forren" - Masche umsetzen und wir sind mit einem blaugen Auge, bzw. einer Verwarnung davongekommen. Die weitere Route führte uns in der Nähe von Williamsburg vorbei, das für seine historische Darstellung der kolonialen Lebensbedingungen bekannt ist. Kurzentschlossen haben wir also einen Stopp eingelegt und uns unters Volk gemischt.

eine live-Auktion in Altenglisch
Wir hatten zu dem Zeitpunkt nur noch etwa 100 Meilen bis nach Washington vor uns. Leider stellte sich heraus, dass wir scheinbar echte Trendsetter waren mit der Idee, Thanksgiving mit einen Besuch in der Hauptstadt zu verwenden. 20 Meilen Stau und endlose Stunden später sind wir erst nach Einbruch der Nacht erschöpft in Washington angekommen. Dort haben wir uns dank dem Roomsaver zum Spottpreis in einem Hotel einquartiert und sind direkt ins Nachtleben gestartet. Zufälligerweise waren noch einige andere Austauschstudenten an diesem Wochenende in DC unterwegs, so dass wir den Abend in großer Gruppe bei Drinks und Rotwein aus der Pappe genießen konnten.

Random Metro Stop .. Die sehen in Washington alle exakt gleich aus!
Komischerweise ist das das einzige Bild, das ich an diesem Abend gemacht habe..
Man beachte die "Zapfeinrichtung" ;-)
Der nächste Morgen brachte dann - neben leichten Kopfschmerzen - ein volles Programm mit sich. In schneller Abfolge haben Paul und ich dann..

.. den Arlington National Cemetery, .. 


  
Grabsteine, wohin man blickt. Soldaten, Offiziere und Generäle zu Tausenden


.. das Washington Monument ..
Mit einem Fahrstuhl gelangt man in die Spitze, wo ..
eine tolle Aussicht in ..
..alle Richtungen geboten wird, hier z.B. die "Washington Mall", um die sich alle repräsentativen Bauten, Museen und Denkmäler gruppieren
.. diverse Gedenkstätten ..
World War II Memorial
Der Preis der Freiheit - jeder Stern steht für 1000 Kriegsopfer.
Korean War Memorial
Vietnam War Memorial mit den Namen aller gestorbenen GIs. Es besteht aus etwa 40 dieser Tafeln
 .. Lincoln Memorial ..
Abe himself
.. das weiße Haus ..

Man glaubt es nicht, aber in natura ist dieses Gebäude winzig und geht in dem monumental-säulenhaften Art der Stadt absolut unter. Es wirkt nicht wie der Sitz des mächtigsten Mannes der Welt, sondern eher wie eine private Villa.
.. sowie diverse andere Dinge unsicher gemacht!
Supreme Court
Kapitol
Da Kapitol, Bibliothek des Kongresses und der Supreme Court am Sonntag für Touristen leider verschlossen bleiben, hatten wir unverhofft etwas Zeit um uns in den Smithsonian-Museen umzusehen. Diese Museen sind einfach der Wahnsinn! Komplett kostenlos und extrem umfangreich kann man beispielsweise Natural History, American History, Air & Space, Indian History, Art u.v.m. erkunden.
Wir haben uns auf Pauls Empfehlung hin (Es ist übrigens absolut großartig mit jemandem zu reisen, der sich vor Ort schon einigermaßen auskennt; Touristenfallen und Luftnummern bleiben einem so erspart!!) für das Air&Space Museum entschieden. Auf dem Weg sind wir am Smithsonian American Art Museum vorbeigekommen, an dem uns doch direkt Dresden begrüßt hat.
Warum verfolgt mich diese Stadt eigentlich um die Welt?
Air&Space Museum - japanische Zero
Air & Space Museum - X-29 mit original negativ gepfeilten Flügeln und Canards (die kleinen Stummel davor). Hach!!
Nach der Schnellbesichtigung des Museums haben sich dann unsere Wege am Busbahnhof in Washington D.C. getrennt. Schade, dass die Zeit so schnell vorüber war. Es tat gut, wieder einmal eine anständige Unterhaltung führen zu können ohne durch sprachliche Ungenauigkeiten behindert zu werden. Nachdem ich nun also Raleigh kenne, ist Paul dran mich in Boston zu besuchen ^^.

Er ist am Sonntag dann mit dem Auto wieder nach Raleigh aufgebrochen und ich habe mich dem Wohlwollen von "Greyhound" (DC-NY) und "FungWah Bus" (NY-BOS) ausgesetzt. Nach fast 10 stündiger Fahrt bin ich dann kurz nach drei Uhr morgens wieder in Boston aufgeschlagen und in die vorletzte Uni-Woche gestartet.

Diese verspricht ein echter Knaller zu werden! Doch mehr dazu im Laufe der nächsten Tage.

2 Kommentare:

  1. Coole Sache die Washington Reise. Einige der Bilder sind von deinem Kumpel, oder? Sieht nämlich ziemlich nach nem Polyfilter aus, oder war der Himmel wirklich so blau? Coole Fotos auf jeden Fall

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  2. hey poly-filter-crack!
    hey kristian..jup, schließ mich an, coole bilder..bei dem zapfwein rollen sich bei mir Franzosen die Fußnägel hoch. Das müssen wir nochmal üben :D

    weiter so berichten!! Bleibst du über Weihnachten in Boston?

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