Donnerstag, 25. November 2010

Happy Thanksgiving, everyone!

So taufrisch war das Posting noch nie!

Ich bin vor wenigen Stunden von einer echten Thanksgivingparty zurückgekehrt. Nach dem unvermeidlichen "food coma" verbringe ich die Nacht (Ortszeit 02:01 AM) gerade am Boston Logan International Airport um gegen 6 meinen Flug nach Raleigh, NC zu erwischen. Dummerweise verkehrt der Nahverkehr zwischen 1 und 6 nicht und alle späteren Flüge wären ziemlich unbezahlbar gewesen. Also in guter alter Manier Laptop und Bücher eingepackt und ab zum 24/7 Dunkin' Donuts um die Nacht totzuschlagen. Nicht dass ich besonders scharf auf Donuts wäre, aber hier scheint es die einzigen Steckdosen weit und breit zu geben ;-).

In Raleigh treffe ich dann Paul und wir starten unseren ganz persönlich-deutschen Roadtrip nach Washington D.C. (und wie ich hoffe, zuvor gen Hooters). Doch dazu dann mehr in der nächsten Woche. Drehen wir die Uhr nochmal etwas zurück und widmen uns der vorweihnachtlichen Völlerei.

Am Campus

Den ersten Anflug von Thanksgiving gab es vor zwei Wochen, als die Dining Halls Truthahn, Mashed ("gestampfte") Potatoes, Glaced Carrots, Gravy und Stuffing serviert haben. Für den Anfang war das schon nicht schlecht - es sollte aber noch einiges kommen. Da wir meines Wissens nach in Deutschland kein Thanksgiving feiern, will ich das ganze Erlebnis kurz aus der Perspektive eines Wohnheim-Studenten beschreiben. Im Wesentlichen fing es damit an, dass uns nahegelegt wurde, die Wohnheime bis vergangenen Mittwoch 09.00 AM zu räumen. Über die Feiertage (bis einschl. Sonntag Vormittag) sind diese gesperrt. Das macht dem Großteil der Studentenschaft auch nichts weiter aus, denn so ziemlich jeder verlässt den Campus und fährt/fliegt heim zur Familie. Thanksgiving ist hier sogar noch größer als Weihnachten!
Da ein Kurztrip nach Europa für 5 Tage aber irgendwie unverhältnismäßig wäre, habe ich mich entschlossen die Tage in Boston zu bleiben. Um die internationalen (und familiär unbedarften) Studenten nicht der Obdachlosigkeit preiszugeben, bietet die BU eine Art Ferienwohnen an.

Hotel. Doppelzimmer. 4 Nächte. 160 Dollar. Nein. Danke. Stattdessen bin ich kurzerhand für ein paar Tage zu Elisabetta gezogen, an der (dank Appartment) dieser Kelch vorübergeht. 

Fencing Club

Zurück zum Truthahn. Nachdem die Dining Halls den Reigen eröffnet hatten, folgte auf dem Fuße die "BU Fencing Club Thanksgiving Party". Extrem cool: Jeder hat etwas beigesteuert, so dass die verschiedensten Familientraditionen und -rezepte aufeinander getroffen sind und niemand hungrig nach Hause gehen musste. Besonders hervorheben möchte ich dabei den Hauptdarsteller des Abends, der 40 Leute bestens unterhalten hat.
35 Pfund. Das daneben ist übrigens eine zwei-Liter-Coke-Flasche. So als Größenvergleich ;).
Dazu gab es:
  • Stuffing (breadbased)
  • Stuffing (ricebased)
  • Mashed Potatoes
  • Mashed Potatoes w. Garlic
  • Chili con Carne
  • Glaced Carrots
  • Mac'n'Cheese
  • Fruit Salad
  • Cranberry Salad
  • Cranberry Sauce
  • Cranberry Jam
  • Cranberry Bread
  • Walnut Bread
  • Wholewheat Bread
  • Apple Pie
  • Banana Cake
  • Icecream Cake
  • Cookies
  • Brownies
  • Cheddar Chips
  • Chipotle Chips
  • Vinegar Chips
  • Salted Chips
  • Salsa Dip
  • Cheese Dip
  • Red Wine
  • Apple Cidre
  • Strong Cidre
  • Beer
  • Soda 
  • uuund Gravy
Richtig, ein Dutzend Desserts, aber KEIN Gemüse. Willkommen in Amerika =)
Einige Gäste sind unmittelbar nach dem Essen an Ort und Stelle eingeschlafen - das "Food Coma" ist kein unbekanntes Phänomen zu Thanksgiving. Zu erschöpft, um wach zu bleiben.

Thanksgiving .. Vegetarisch?

Dass es auch anders gehen kann habe ich dann am gestrigen Tag gelernt. Lauren, BU-Studentin, aus Kalifornien, hatte Betta und mich zu ihrer Thanksgiving-Feierei eingeladen. Die Runde war mit sechs Mann ziemlich klein, aber das Essen war umso besser. Da es einige Vegetarier und vermehrtes Gesundheitsbewusstsein in der Runde gab, sah das Menü auch etwas anders aus. Es gab:
Turkey - hier noch etwas scheu!
und hier dann mit etwas mehr Selbstbewusstsein (und Bräune!)
Wer sagt dass Vegetarier nicht absolut großartig grillen können?



Glaced Carrots
Cranberry Sauce
dazu guten Bordeaux aus der geköpften Flasche
roasted sweet potatoes and parsnip (Pastinake)
Persimon / Apple Crumble
Stuffing (Bread Based) w. celery, onion and mushrooms
spinach-broccoli-gruyere-tarte ("Kuchen") - MYAM!
Kochen ist dabei übrigens nach eigenem Wunsch Frauensache
Die Männers widmeten sich eher wichtigeren Dingen, z.B...
..dem Kind im Manne, oder..
..diversen Footballmatches.
Doch dann war es soweit: Das Büffet eröffnet Lauren voller Stolz - und das mit Recht!
Insgesamt also durch die Bank gesund und extrem lecker. Das Food Coma war auch diesmal unausweichlich - ging aber mit American Football und diversen Episoden von Family Guy gut vorüber =).

Abschließend gibt es nur ein mögliches Urteil: Ich finde, Thanksgiving würde auch gut nach Deutschland passen!

Okay, offensichtlich ist Dunkin' Donuts doch weniger cool als ich dachte. Das Licht wird gerade ausgemacht und mich beschleicht das Gefühl, nicht länger willkommen zu sein. Noch 3 Stunden bis zum Flug. 

Langsam nähern sich die Temperaturen in Boston auch der Frostgrenze. Das wäre gar nicht weiter schlimm, wenn nicht so ein eisiger Wind wehen würde. Was gäbe ich jetzt für einen Pott Glühwein!

Paul, ich hoffe in NC ist es wärmer als hier!

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