Montag, 15. November 2010

Der nächste Tag aka "The Big One"

.. nach dem erfolgreichen Celticsspiel riss mich der Wecker gegen 4 Uhr unsanft aus meinem verdienten Schlaf. Mein neues Hobby Säbelfechten hatte mir über den BU Fencing Club eine Einladung zu einem Turnier verschafft. 

Dummerweise begann dieses Turnier gegen Acht Uhr und fand mehr als 2 Stunden außerhalb von Boston statt. Kombiniert ergibt sich also eine Truppe von 30 ambitionierten Fechtern, die sich zu unchristlichen Zeiten an einem Samstag Morgen am Campus treffen und Vans für die Fahrt zum Turnier entern.
und ich sag noch: "wehe wir fahren bevor ich meinen ersten Kaffee bekomme"
Ich sollte unbedingt erwähnen, dass die Neunsitzer von der BU kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Da wir (mehr oder minder) für die Boston University fechten und ein anerkannter Uniclub sind, ist die Ausleihe kostenfrei und mit wenigen Unterschriften durchführbar. Also ganz deutlich ein Vorzug der horrenden Studiengebühren!
Nervig ist nur, dass diese Vans eine eingebaute Warneinrichtung haben, die nervig zu piepen beginnt sobald das gesetzliche Tempolimit überschritten wird. Da bekommt man echt kein Auge zu! ;o)
Unser Lager auf dem Turnier.. schärfstens bewacht ..äääh.. sortiert .. äh.. Naja.
Angekommen

Das Turnier selbst zog sich über den kompletten Tag hin. Während der Großteil aus Massachusetts oder angrenzenden Staaten kam, waren auch ein paar Exoten aus Florida dabei. Mir persönlich wären die (nach eigener Aussage) 36 Stunden Busfahrt ja zuviel gewesen, aber das hier nicht alles rational zugeht ist dem geneigten Blog-Leser mittlerweile sicher mehrfach aufgefallen.

Gefechtet Gefochten (Danke für den Hinweis - mein Gefühl für die deutsche Sprache scheint schon zu verkümmern) wurde Florett, Degen und Säbel - jeweils für Männlein und Weiblein getrennt. In Summe macht das etwa 400 Sportler in einer riesigen Halle. Leider standen alle Tore und Fenster sperrangelweit offen, so dass wir aufgrund der frostigen Temperaturen froh waren, endlich in die dick gepolsterten Fechtanzüge zu kommen.
gefochten wurde parallel auf gut 40 Bahnen

Kampfrichter: Dein Freund und Helfer

Da die Waffen und Begegnungen jeweils nacheinander ausgetragen werden, gibt es auch immer die Gelegenheit die eigene Truppe anzufeuern und den Judge zu beeinflussen. Auch wenn wir niemanden in die Medaillenränge bekommen haben: die lauteste Truppe waren wir allemal!

"das war nie im Leben eine Parade!!11"
Zu dem Bild gibt es noch eine Anekdote. Nachdem wir uns lautstark in die Begegnung eingebracht hatten, unterbrach der Kampfrichter die Begegnung. Ihm war aufgefallen, dass der Widersacher keinerlei moralische Unterstützung hatte, woraufhin er auf die Suche nach ein paar Statisten ging, die für den armen Jungen jubeln. Das war allerdings ziemlich halbherzig, so dass wir die Truppe schnell niedergebrüllt hatten.

Pünktlich zur Mittagszeit kam dann die zynische Lautsprecherdurchsage, dass sich "der Beginn der nächsten Turnierrunde leider um einige Minuten verzögern wird, da die Kampfrichter noch mit dem Lunch beschäftigt sind". Mysteriöserweise waren kurze Zeit später alle Kampfrichter wieder an den Bahnen, einige auch mit hochrotem Kopf ;o).


Alles nur Scharade?

Fechten selber ist nur zu einem geringen Teil Fitness. Der Großteil findet im Kopf statt, gerade im Turnier. Jeder versucht möglichst abgebrüht auszusehen, einschüchternd zu wirken und eine mürrische Miene aufzusetzen. Mit meiner Körperlänge und ohne Kaffee war das nicht weiter schwierig. Emily (siehe Foto) hat es aber auf die Spitze getrieben:
Mal ehrlich: Wenn sich mein Gegner so ein Tuch um den Kopf knotet, ein scharfes Schwert in der Hand hält und einen eigenartig stechenden Blick aufsetzt, würde ich nicht mehr kämpfen wollen
Leider hat die Maskerade in meinem Fall nur bedingt geholfen und meine 6 Begegnungen waren relativ schnell (1-5) vorüber. Scheinbar ist ein Mindestlevel an Erfahrung und Beweglichkeit doch zumindest hilfreich. So blieb mir für die KO-Runde dann nur die Seitenlinie. Das hatte auch sein Gutes, denn Fechten ist ob der schnellen Abfolge der Ereignisse auch als Zuschauer extrem unterhaltsam. Ich kann es nur empfehlen!

Hier noch einige Eindrücke aus dem weiteren Turniergeschehen.



"und wenn ich jetzt noch eine Banane in der Hand halte, ist die Tarnung perfekt"




Ohne Schwerter sind sie eigentlich ganz nett
Nach einem langen Tag waren wir alle ziemlich erledigt und haben den Großteil der Rückfahrt verschlafen. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht und für die nächsten Turniere bin ich auch schon gemeldet. Wir wollen doch mal sehen, ob es beim nächsten Mal nicht für die KO-Runde reicht.

 "First Blood!" - Mein Ehrgeiz ist geweckt!

Vielen Dank an Neel & Dominique, deren Bilder ich verwenden durfte.

1 Kommentar:

  1. Ich habe gerade alle deine Einträge mal "nachgelesen". Was soll man bei akuter Arbeitsunlust auch machen ^^ Super unterhaltsam! Bitte weiter so und meeehr!

    VG aus dem regnerischen Dresden!
    Christoph

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